Main Page       Contact  
   
Türkçe

Daily Bulletin Subscription

To receive our Daily Bulletin please fill out the form below.
Name:
Surname:
Email:


Books out of Print

I. Kapitel: Weshalb wurde Ambassador Morgenthau's Story geschrieben?

Lowry Heath W.*
Die Hintergrundsgeschichte zu Botschafter Morgenthaus Memoiren
 

 ="justify">  
“...Aus Entmutigung angesichts der enormen offenen Opposition und der ungeheuren Gleichgültigkeit gegenüber dem Krieg, als auch aufgrund der fehlenden Begeisterung unter der Masse derjenigen, die den Krieg unterstützen...

gedenke ich, ein Buch zu schreiben, in dem ich nicht nur das Durchdringen der Türkei und des Balkans durch Deutschland enthüllen werde, sondern das System, so wie es in jedem Land der Welt erscheint. Denn in der Türkei sehen wir den bösen Geist Deutschlands in seiner schlimmsten Form - schließlich im schlimmsten Verbrechen aller Zelten gipfelnd: dem schrecklichen Massaker hilfloser Armenier und Syrer. Ich bin zuversichtlich, daß speziell diese Einzelheit der Geschichte und die Tatsache, daß Deutschland Anstifter derselben ist, die Masse der Amerikaner in den kleinen Städten auf dem Land ansprechen wird wie kein anderer Aspekt der Krieges und sie überzeugt, daß der Krieg zu einem siegreichen Ende gebracht werden muß... Wir müssen einen Sieg für die Kriegspolitik der Regierung erringen, und jeder legitime Schritt sollte genutzt werden, dieses zu erreichen.”[1]

Die vorliegende Studie versucht in ihrer einfachsten Form, das nachfolgende Werk aus der Perspektive zu beurteilen, ob Ambassador Morgenthau’s Story, wie beschrieben, sein eigenes Kriterium, “jedes legitime Mittel” zu nutzen, um das von ihm formulierte Ziel, die “Masse der Amerikaner” zu überzeugen, den Krieg zu unterstützen, überschreitet oder sich daran hält.

Innerhalb eines Jahres nach Datum des Briefes von Morgenthau an Wilson war Ambassador Morgenthau’s Story, wie das Werk schließlich auf seinen Vorschlag hin benannt wurde, vollendet, in monatlichen Episoden in einem der bekanntesten amerikanischen Magazine The World’s Work (Auflage: 120.000)[2] veröffentlicht, in mehr als einem Dutzend der größten Zeitungen des Landes mit einer Auflage von insgesamt 2.630.256[3] erschienen, von Dobleday, Page & Co., mit großem Aufwand freigegeben worden[4], und schon belief sich die Summe aller Verkäufe auf mehrere tausend Exemplare (am 1. Juli des folgenden Jahres sollten sich die Verkaufszahlen auf 22.234 steigern).[5]

Kurzgesagt, Morgenthaus Ziel, durch ein Buch, das mit seinen Worten “die Masse der Amerikaner in den kleinen Städten und auf dem Land ansprechen wird wie kein anderer Aspekt des Krieges”,[6] zu Amerikas Kriegsanstrengungen beizutragen, ist in einer solchen Weise gelungen, daß es seine kühnsten Erwartungen übertroffen haben muß. Und in der Tat, kaum hatte World’s Work mit der Veröffentlichung der ersten Kapitel des Buches im Mai 1918 begonnen, bekam Morgenthau ein Angebot aus Hollywood für die Filmrechte seiner “Geschichte”, ein Angebot, das für genannte Rechte eine Summe von 25 000 Dollar in Aussicht stellte. Nach anfänglicher Aufregung und der Fertigstellung eines erweiterten Filmhandlungsschemas,[7] ließ Morgenthaus Begeisterung für eine Filmkarriere nach dem Erhalt eines zweiten Briefes von Präsident Wilson, in dem dieser seine Mißbilligung unmißverständlich ausdrückte, wieder nach Wilson schrieb:

“Ich weiß es zu schätzen, daß Sie mich wegen der Frage, ob das Buch in einen Film übersetzt werden soll, konsultieren, und Ich muß Ihnen offen mitteilen, daß Ich hoffe, Sie werden hierzu nicht Ihre Zustimmung geben... Ich persönlich glaube, daß wir in dieser Richtung weit genug gegangen sind. Es ist nicht nur eine Frage des Geschmacks - in Fällen dieser Art würde Ich nicht meinem Geschmack trauen - sondern auch teilweise eine Frage des Prinzips ... Im Moment gibt es nichts Praktisches, das wir z. B. in der Angelegenheit des armenischen Massakers tun könnten, und die Haltung des Landes gegenüber der Türket ist ohnehin schon festgelegt. Eine weitere Steigerung ist unnötig.”[8]

Nur etwas weniger als ein Jahr zuvor war es die Zustimmung Wilsons gewesen, die Morgenthau vor Aufnahme seines Buchprojekts suchte. Und tatsächlich, erst nachdem Wilson den Vorschlag abgesegnet und geschrieben hatte: “Ich denke, Ihr Plan einer vollständigen Offenlegung einiger Linien deutscher Intrigen ist ein ausgezeichneter, und ich hoffe, daß Sie das Buch, von dem Sie sprechen, schreiben und veröffentlichen werden”,[9] gab Morgenthau eine positive Antwort auf erste Anfragen von Burton J. Hendrick von Doubleday, Page & Companys The World’s Work, und das Projekt begann Gestalt anzunehmen.[10] Es ist etwas befremdend, einen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika und einen Ex-Botschafter über eine solche Angelegenheit kommunizieren zu sehen. Aber es war Krieg, und wie der Briefverkehr zwischen Morgenthau und Wilson von Anfang an illustriert, wurde Ambassador Morgenthau’s Story ebenso als ein Bestandteil von “Präsident Wilsons Geschichte” verstanden. Es war der Wunsch, die Unterstützung für Wilsons Kriegsanstrengungen zu erhöhen, der Morgenthau veranlaßte, ein anti-deutsches und anti-türkisches Werk zu schreiben, das die amerikanische Öffentlichkeit von der “Notwendigkeit, den Krieg zu einem siegreichen Ende bringen zu müssen”,[11] überzeugen würde. Mit anderen Worten, wie von Morgenthau beabsichtigt, war seine “Geschichte” als Kriegspropaganda gedacht, d.h. als Beitrag zur Kriegsanstrengung der Entente. Vor diesem Hintergrund muß versucht werden zu untersuchen, wie und von wem das Buch tatsächlich geschrieben wurde, ebenso wie die umfassendere Frage betreffs der Genauigkeit oder Ungenauigkeit der “Geschichte”, das es vorgibt zu erzählen.

 


 

[1] Die größte öffentliche Sammlung von Schriftstücken, die sich auf das Leben und die Karriere Botschafter Henry Morgenthaus (1856-1946) beziehen, werden unter dem Titel “The Papers of Henry Morgenthau” in der Library of Congress in Washington, D.C., in der “Manuskriptabteilung” der Bibliothek aufbewahrt. Sie bestehen aus Ca. 30.000 Einzelstücken, die dem Forschenden in Form einer Sammlung von 41 Mikrofilmspulen zur Verfügung stehen. Hinweise auf Materialien dieser Kollektion werden in der vorliegenden Studie in folgender Weise angegeben: LC: PHM - Spulennr. — gefolgt, wo angebracht (wie im Fall von Schriftverkehr), von einem Datum. Im Fall des vorliegenden Dokuments lautet die zitierte Stelle: LC: PHM - Spulennr. 8 - HM Brief an Präsident Woodrow Wilson vom 26. November 1917.
[2] The World’s Work war eine Monatsschrift, deren damalige Besitzer ‘Doubleday, Page & Co.’, die New Yorker Herausgeber, hießen. Diese Zeitschrift veröffentlichte Morgenthaus Buch in sieben Folgen (zwischen Mai und November), beginnend mit der April-Ausgabe von 1918, die einen Artikel von Burton J. Hendrick mit dem Titel: Ambassador Morgenthau ‘s Story — Einführender Artikel” enthielt. Professor Robert J. Rusnak vom Rosary College in Illinois bin ich unter anderem für die Auflagenzahlen von The World’s Work zu Dank verpflichtet. Prof. Rusnaks Doktorarbeit befaßt sich mit einer Untersuchung dieses Journals und seinen Auswirkungen.
[3] Die zweite größere Sammlung von Morgenthau-Schriftstücken ist als Teil der Kollektion “The Papers of Henry Morgenthau, Jr., Botschafter Morgenthaus einzigem Sohn, der viele Jahre lang in Franklin D. Roosevelts Kabinett tätig war, in der Franklin Delano Roosevelt Presidential Library im Hyde Park, New York, untergebracht. Diese Kollektion, die etwa 414 Fuß lang ist, ist in elf Serien unterteilt, von denen die Serien Nr. 8 und 10 Dokumente über Botschafter Morgenthau enthalten. Speziell Serie Nr. 8, “Gaer-File”, stellt Material dar, das von Joseph Gaer, Morgenthau Juniors Mitarbeiter bei seiner unveröffentlichten Autobiographie, zusammengetragen wurde. In dieser Serie findet sich eine maschinen geschriebene Anschrift des gesamten Schriftverkehrs zwischen Botschafter Morgenthau und seinem Sohn. Material aus dieser Serie, das in dieser Untersuchung zitiert wird, erscheint als: FDR: HM/Caer - Boxnr... Seriennr. 10 trägt den Titel “The Papers of Henry Morgenthau, Sr. “und besteht aus Ca. 10 Fuß langer, vorwiegend Geschäfts- und persönlicher Korrespondenz. Zitate aus dieser Sammlung werden hier als FDR: HMS - Boxnr. erscheinen.
Die Auflagenhöhe der Zeitungen, die Ambassador Morgenthau’s Story veröffentlichten, sind in einem Brief Frank Doubledays vom Doubleday, Page & Co. (Morgenthaus Verlegern), an Henry Morgenthau, Sr. von 17. Oktober 1918 zu finden (FDR: HMS - Boxnr. 12). Dieser Brief wurde ursprünglich von einer Liste der Zeitungen, die die Version des Buches in Episoden veröffentlichten, begleitet. Leider ist diese Liste verloren gegangen oder von dem Brief getrennt worden.
Nachdem ich in Bibliotheken und Archiven in einer Reihe von Ländern gearbeitet habe, wäre es nachläßig von mir, den Mitarbeitern der Roosevelt Library, die mir meinen allzu kurzen Arbeitsaufenthalt im Hyde Park so angenehm gemacht haben, nicht meinen Dank auszusprechen. Meine Nachforschungen profitierten insbesondere von der freundlichen Unterstützung, die mir Ms. Susan Y. Elter, eine audiovisuelle Archivarin dieser Einrichtung, gewährte.
[4] FDR: HMS - Boxnr, 12: (Brief Doubledays an Morgenthau vom 17. Oktober 1918) erwähnt, daß die Verleger zusätzlich zu dem Versand von Vorauskopien und verschiedenen Rekiameverlautbarungen auch “Fenster” bei Macy, Brentano, Wanamaker, Scribner etc. arrangiert hatten.
[5] Die dritte größere Materialsammlung, die in dieser Untersuchung benutzt wird, besteht aus persönlichen Dokumenten des verstorbenen Burton J. Hendrick. Hendrick, ein hervorragender Schriftsteller und Journalist, war derjenige, der tatsächlich als “Geisterautor” das Morgenthau-Buch schrieb. Durch einen in der New York Times erschienenen Nachruf (25. März 1949), der Hendricks Leben und Werk detailliert beschrieb, war ich in der Lage, seinen Enkel, einen Hobart Hendrick, Jr. aus Hamden, Connecticut, ausfindig zu machen, der bereitwillig auf alle meine Fragen Auskunft gab. Er brachte mich seinerseits in Verbindung mit einer Kusine, Martha Rausnak aus Winfield, Illinois, denen Ehemann, Robert Rusnak, ein Geschichtsprofessor am Rosary College, tatsächlich über den Großvater seiner Frau geschrieben hatte. Professor Rusnak stellte mir freundlicherweise Kopien einer Reihe von Dokumenten aus den “Papers of Burton J. Hendrick” zur Verfügung, die sich in ihrer Sammlung befinden. Sie enthielten Briefverkehr zwischen Morgenthau und Hendrick und insbesondere eine unveröffentlichte Arbeit Rusnaks über Hendrick mit dem Titel: “To Cast Them in the Heroic Mold’: Court Biographers - The Case of Burton Jesse Hendrick”. Professor Rusnak teilte mir ebenfalls mit, daß Hendrick an dem “Mündlichen Geschichtsprojekt” der Columbia University teilgenommen hatte und kurz von seinem Tod 1949 von Alan Nevins interviewet worden war. Material aus den von Prof. Rusnak zur Verfügung gestellten Hendricks-Unterlagen, die in dieser Studie zitiert werden, erscheinen folgendermaßen: Hendrick/Rusnak zusammen mit einer Beschreibung des Artikels, auf den tatsächlich Bezug genommen wird.
Die hier gegebene Information über Verkaufszahlen sind in einem handgeschriebenen Dokument der Hendrick/Rusnak-Schriftstücke zu finden mit der Überschrift: “Gewinn-und Verlustaufstellung bis 1. Juli 1919 über Ambassador Morgenthau’s Story von Henry Morgenthau.” Dieses offensichtlich von Morgenthau selbstverfaßte Dokument gibt Verkaufszahlen zu besagtem Datum an, die sich auf 22 234 Exemplare belaufen.

[6] LC: PHM - Spulennr. 8: HM Brief vom 26. November 1917 an Präsident Woodrow Wilson.
[7] Hendrick/Rusnak: Unter dem Material, das sich auf die Zusammenarbeit Morgenthau - Hendrick bezieht und von Robert Rusnak zur Verfügung gestellt wurde, befindet sich ein achtseitiges Dokument mit dem Titel: “Proposal for a Moving Picture on the Near East, Based to a Considerable Extent on Ambassador Morgenthau’s Story.” Quer über die Kopfseite des Dokuments findet sich folgende handschriftliche Bemerkung: “Dieses großartige Projekt (für das die Filmleute uns 25 000 Dollar geboten haben) ist durch das plötzliche Ende des Krieges ruiniert worden! B.J.H.”
[8] LC: PHM - Spulennr. 8: Präsident Woodrow Wilsons Brief vom 14 Juni 1918 an Henry Morgenthau. Die Hervorhebungen in diesem Zitat sowie im weiteren Text sind die des Verfassers dieses Buches.
[9] LC: PHM - Spulennr. 8: Präsident Woodrow Wilsons Brief vom 27. November 1917 an Henry Morgenthau. Obwohl Morgenthaus Brief vom 26. November 1917 an Wilson niemals veröffentlicht worden ist, hat er interessanterweise die Antwort des Präsidenten in seine Autobiographie All In a Life-Time, New York (Doubleday, Page & Co.), 1922, S. 297, aufgenommen und zitiert ihn als Grund, warum er das Buch geschrieben hat.
[10] FDR: HMS - Boxnr. 11: Frank Doubledays Brief vom 7. November 1917 an Henry Morgcnthau; Henry Morgenthaus Brief vom 12. November 1917 an Frank Doubleday, in dem Morgenthau schreibt: “Seit Mr. Hendrick bei mir vorgesprochen hat, habe ich erneut sorgfältig  geprüft, ob es ratsam ist, ein Buch über meine Erfahrungen in der Türkei zu schreiben, und habe nun definitiv beschlossen, daß jetzt nicht die Zeit ist, es zu veröffentlichen.” Erregt durch den Mangel an öffentlicher Unterstützung für den Krieg, bat er jedoch zwei Wochen später den Präsidenten um seinen Segen; nach Erhalt von Wilsons Brief vom 27. November 1917 änderte er seine Meinung und begann, sofort ernsthaft mit dem Verleger zu verhandeln. Vgl. ebenso: Frank Doubledays Briefe vom 23. November und 5. Dezember 1917 an Henry Morgenthau, und Arthur Pages Briefe vom 8. Dezember und 20. Dezember 1917 an Henry Morgenthau. Zur Zeit des letzten Datums waren bereits alle Vertragsarrangements für das Buch beendet.
[11] LC: PHM - Spulennr. 8: HM Brief an Präsident Woodrow Wilson vom 26. November 1917.

 ----------------------
* Author -
- Die Hintergrundsgeschichte zu Botschafter Morgenthaus Memoiren
    Print    
   «  Back

 
 
ERAREN - Institute for Armenian Research

This site is best viewed at 1024 x 768 pixel resolution.