Main Page       Contact  
   
Türkçe

Daily Bulletin Subscription

To receive our Daily Bulletin please fill out the form below.
Name:
Surname:
Email:


Books out of Print

IV. Kapitel: Die Darstellung Talaat Beys: Eine Fallstudie

Lowry Heath W.*
Die Hintergrundsgeschichte zu Botschafter Morgenthaus Memoiren
 

 .iq0 À="justify"> und Gegenstand schlimmster Beschimpfungen ist Talaat Bey, [47] der osmanische Innenminister. Eine Untersuchung der ihm widerfahrenen Behandlung soll daher dienen, die unerklärlich großen Unstimmigkeiten zwischen den Ereignissen, so wie sie in Morgenthaus “Tagebuch” und “Briefen” aufgezeichnet sind, d.h. während seines tatsächlichen Aufenthalts in Konstantinopel (November 1913 - Januar 1916), und seinem Buch von 1918 zu belegen. Die in keiner Weise zu verstehenden folgenden Beispiele, die in der Reihenfolge aufgeführt werden sollen, in der sie in Ambassador

Talaat Bey, Innenminister des Osmanischen Reiches

Dieses an Botschafter Morgenthau überreichte Foto ist in der “Franklin Delano Roosevelt Presidential Library” im Hyde Park, N.Y., erhalten.

[FDR: PHM-Fotosammlung]

Morgertthau’s Story erscheinen, werden diesen Punkt verdeutlichen:

1) Bei der Beschreibung Talaats, “dem führenden Mann in dieser Bande von Usurpatoren”, behauptet Morgenthau:

“Ich kann persönlich bezeugen, daß er sich überhaupt nichts aus Mohammedanismus machte, denn, so wie die meisten Führer seiner Partei, spottete er über alle Religionen. Ich haße alle Priester, Rabbiner und Hodschas, sagte er einmal zu mir.”[48]

Tatsächlich aber findet sich in keinem der damaligen Morgenthau-Dokumente aus Konstantinopel irgendein Hinweis, der diese Aussage belegen könnte. Im Gegenteil, der einzige Hinweis auf Talaats religiöse Überzeugung findet sich in einer “Tagebucheintragung” vom 10. Juli 1914, in der Morgenthau anläßlich der Beschreibung einer kleinen Dinnerparty, die er am vorhergehenden Abend für Talaat, Oberrabbiner Nahoum und dessen Frau und Schmavonian gegeben hatte, festhält:

“Talaat erzählte mir gestern Abend, daß er das gläubigste Mitglied des Kabinetts sei, und daß Djavit überhaupt nicht religiös sei und Djemal nur ein bißchen.”[49]

Selbst wenn nicht bekannt wäre, daß Talaat Bey in der Tat der religiöseste Mann in der Führung der Jungen Türken war, enthalten Morgenthaus eigenes “Tagebuch” und “Briefe” buchstäblich Dutzende von Hinweisen auf die enge Beziehung zwischen Talaat und dem Oberrabbiner Haim Nahoum, dem Führer der jüdischen Gemeinde des Osmanischen Reiches, die das ihm zugeschriebene Zitat, in dem er Morgenthau gegenüber angeblich eingesteht, alle “Priester, Rabbiner und Hodschas” zu hassen, sehr unwahrscheinlich erscheinen lassen.[50]

Warum beschloß Morgenthau, Talat Bey als Atheisten darzustellen, wenn sein eigenes “Tagebuch” seine Behauptung doch Lügen straft? Die offenkundige Antwort lautet, daß er, um die gewünschte Abscheu und heftige Reaktion des von ihm angesprochenen Leserpublikums zu erzeugen, glaubte, es sei nützlicher, den Bösewicht des Stückes als gottlosen Atheisten als Anhänger einer Religion, selbst wenn es der Islam wäre, darzustellen.

***

2) In einem Abschnitt seines Werkes, das von der erzwungenen Rückkehr griechischer Siedler an der ägäischen Küste Anatoliens zu den Inseln, von denen sie stammten (Spätfrühling und Frühsommer 1914), schreibt Morgenthau:

“Zu jener Zeit kannte Ich Talaat gut; ich sah ihn fast jeden Tag, und er diskutierte für gewöhnlich jede Phase internationaler Beziehungen mit mir, Ich erhob Einspruch gegen seine Behandlung der Griechen; Ich sagte zu ihm, daß dieses den schlecht möglichsten Eindruck im Ausland hervorrufen und amerikanische Interessen beeinträchtigen würde.”[51]

Im Gegensatz zu Morgenthaus Behauptung, täglich intime Zusammentreffen mit Talaat Bey gehabt zu haben, ergibt eine genaue Analyse seiner “Tagebucheintragungen” vom 1. Januar bis zum 2. Juli 1914, daß Morgenthau und Talaat insgesamt nur zwanzigmal zusammengetroffen sind. Von diesen zwanzig Treffen können nur acht als wesentlich erachtet werden; bei den übrigen handelte es sich um gesellschaftliche Ereignisse, auf denen sie rein zufällig Gäste derselben Dinnerparty waren.[52] Während der betreffenden Zeitspanne sah Morgenthau Talaat bei wichtigen Treffen nur einmal alle drei Wochen. Auf dem Höhepunkt der Vertreibungen (Mitte Mai bis Juni) trafen Talaat und Morgenthau sogar überhaupt nicht zusammen, Morgenthaus “Tagebuch” enthält Eintragungen über Zusammentreffen nur vom 4. Mai und dann wieder vom 2. Juli 1914.[53]

Trotz Morgenthaus Behauptung verzeichnet das “Tagebuch” keine einzige Begebenheit, bei der der Botschafter Talaat Bey Vorwürfe wegen dessen Behandlung der Griechen machte. Im Gegenteil, es hält lediglich fest, daß diese Angelegenheit nur Diskussionsgegenstand eines ihrer Treffen war (2. Juli 1914); Morgenthau hält bei dieser Gelegenheit nur Talaats Begründung für die Umsiedlung der Griechen fest, ohne eine Andeutung zu machen, daß er in irgendeiner Weise hiergegen protestiert hätte:

“Schmavonian und Ich sprachen bei Talaat vor. Er war sehr offen. Scheint entschlossen zu sein, Griechen vom Land, nicht aus den Städten, zu bewegen, ihr Land zu verlassen; er sagte, die Griechen hier zahlen Steuern, die vom Metropoliten eingetrieben werden; er sagt, sie wollen ihre Inseln zurückhaben: gab griechische Überlegenheit im Bereich Erziehung und Handelskapazität zu.“[54]

In dem wöchentlichen Brief an seine Familie vom 15. Juli 1914 zeichnet er dieselbe Unterhaltung folgendermaßen auf:

“Am Nachmittag stattete ich Talaat einen Besuch ab. Er war ausgesprochen offen... Sie sind ohne Zweifel entschlossen, die außerhalb ihrer Städte lebenden Griechen zu bewegen, ihr Land so friedvoll und bald als möglichst zu verlassen. Die Sache, die ihn am meisten zu verstimmen schien, war, daß diese besagten osmanischen Griechen Steuern an die Hellenische Regierung zahlen und daß ein Teil eben dieses auf türkischem Boden verdienten Geldes für die Bezahlung der Schiffe, die Griechenland gerade von uns gekauft hat, verwendet werden soll. Mein Sekretär [Hagop S. Andonian] teilt mir soeben mit, daß zu der Zeit, als er vor zwölf Jahren das Robert College besuchte, griechische Schüler jede Woche einen Teil ihres Taschengeldes als Beitrag zur hellenischen Flotte zu zahlen pflegten. Talaat gab mir über zu, daß sie entweder die Inseln zurückfordern werden oder die Griechen vom Festland vertreiben wollen.”[55]

Weit davon entfernt, Talaat Bey gegenüber Einspruch wegen der Behandlung der griechischen Bevölkerung durch das Osmanische Reich zu erheben, gibt keine von Morgenthaus Aufzeichnungen den geringsten Hinweis darauf, daß er diese Politik als inakzeptabel empfand. Warum behauptet er dann aber 1918, daß “Ich mich der Behandlung der Griechen entgegengestellt habe”, oder daß er “ihn [Talaat] fast jeden Tag” sah, und daß “er für gewöhnlich fast jede Phase internationaler Beziehungen mit mir diskutierte”?[56] Wieder einmal läßt sich nur ein Motiv dafür finden: Auf der einen Seite legt er das Fundament für seine Behauptung, Talaat sehr nahe zu stehen, während er auf der anderen Seite versucht, sich sein eigenes Empfehlungsschreiben als Verteidiger aller von den moslemischen Türken verfolgten Minderheiten auszustellen.

***

3) Bei dem Versuch, die Motive für Talaats Behandlung der Minderheiten zu beschreiben, meint Morgenthau:

“... Talaat erklärte seine nationale Politik; diese unterschiedlichen Blöcke innerhalb des türkischen Reiches, sagte er, hätten sich schon immer gegen die Türkei verschworen; aufgrund der Feindseligkeit dieser einheimischen Bevölkerungsgruppen, hätte die Türkei eine Provinz nach der anderen verloren - Griechenland, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Bosnien, Herzegowina, Ägypten und Tripoli. Auf diese Art und Weise sei das türkische Reich fast bis auf den Nullpunkt zusammengeschrumpft. Wenn das, was noch von der Türkei übrig ist, erhalten bleiben soll, so fügte Talaat hinzu, müsse er diese fremden Volksgruppen loswerden. “Die Türkei den Türken” war jetzt Talaats Hauptanliegen.[57]

Diese angebliche Unterhaltung, mit Talaats Satz “Die Türkei den Türken” vervollständigt, war gemäß Ambassador Morgenthau’s Story Teil derselben Unterhaltung, auf die wir oben Bezug genommen haben, und in der Talaat sein Verlangen, griechische Siedler entlang der ägäischen Küste zur Rückkehr auf ihre Heimatinseln zu zwingen, hervorbrachte. Wie wir bereits gesehen haben, findet sich weder in Morgenthaus “Tagebuch” noch in seinem “Brief’ ein Hinweis darauf, der Talaats Ausspruch “Die Türkei den Türken” belegen könnte.

Warum legte Morgenthau Talaat Bey dann aber diese Worte in den Mund? Die Antwort ist wiederum einfach: Er wollte, daß die mächtigste Figur des Dreigestirns der Jungen Türken verbal das ausdrückt, was eines der wichtigsten Leitmotive von Ambassador Morgenthau’s Story war, nämlich der Umstand, daß es davon galoppierender türkischer Nationalismus war, der sie zu dem Versuch, die Armenier “auszulöschen”, bewegte. Dieses Thema, für das sich weder im “Tagebuch” noch in den “Briefen” der geringste Hinweis findet, zieht sich durch das ganze Buch hindurch. Immer wieder lesen wir Aussagen wie “Die Türkei den Türken”,[58] “In seinen Augen war die Türkei ausschließlich das Land der Türken; er verachtete alle anderen Elemente in der Bevölkerung,”[59] “Es war seine feste Absicht, das gesamte Reich zu türkifizieren,”[60] “Sie beschlossen, ein Land ausschließlich für Türken zu gründen,”[61] “Ihre Leidenschaft, die ganze Nation zu türkifizieren, schien logischerweise die Ausrottung aller Christen zu verlangen,”[62] und “Schließlich war die Zeit gekommen, die Türkei ausschließlich das Land der Türken zu machen”.[63] Es ist fast so, als ob wir einer Art “unterschwelligen” Repetition ausgesetzt werden, die uns davon überzeugen soll, daß die Jungen Türken rassistische Ideologen waren. Falls Morgenthau im Jahr 1918 selbst diesen Eindruck von den Türken gehabt haben sollte, hätte er diesen sicherlich auch im Jahr 1916, nachdem er die Türkei verlassen hatte, gehabt; aber nichts, was er während seines Aufenthalts in Konstantinopel aufgezeichnet hat, scheint eine solche Meinung zu belegen.

***

4) AIs Morgenthau ein Treffen mit Talaat vom 29. Oktober 1914 aufzeichnet, dessen Gesprächsgegenstand die Türkisch-Deutsche Allianz war, berichtet er von folgender Diskussion:

“Bei diesem Zusammentreffen hat Talaat mir offen gestanden, daß die Türkei sich entschlossen hat, es mit den Deutschen zu halten und mit ihnen unterzugehen oder zu schwimmen. Er sprach wieder von altbekannten Sachen und fügte hinzu, daß für den Fall, daß Deutschland gewänne - und Talaat sagte, er sei überzeugt, daß Deutschland gewinnen würde - der Kaiser Rache an der Türkei nehmen würde, wenn die Türkei ihm nicht hülle, den Sieg zu erringen.”[64]

Talaat wird hier mit anderen Worten als eine Person porträtiert, die eine realpolitische Entscheidung getroffen und sich entschlossen hat, auf der Seite Deutschlands zu stehen, da dieses seiner eigenen Meinung nach den Krieg gewinnen würde. Obwohl kein “Familienbrief’ mit Bezug auf dieses Treffen erhalten geblieben ist, hielt Morgenthau seine tatsächlichen Eindrücke über das Treffen mit Talaat vom 29. Oktober 1914 wahrscheinlich nur wenige Stunden danach in seinem “Tagebuch” fest. Er schrieb folgendes:

“Habe Talaat besucht... Wir hatten ein sehr interessantes Gespräch. Er gab offen zu, daß sie beschlossen haben, auf der Seite der Deutschen zu stehen; mit ihnen unterzugehen oder zu schwimmen; er sagte, sie bräuchten ein starkes Land, an das sie sich anlehnen könnten, und wenn sie nicht zugestimmt hätten, von den Deutschen abhängig zu sein, würden diese, falls geschlagen, die Türkei als erstes scharf kritisieren; sie seien bereit, mit ihnen zu schwimmen oder unterzugehen.”[65]

In seinem Buch hat Morgenthau diese “Tagebucheintragung” so verdreht, daß aus einem sehr widerstrebenden Talaat, der keine Meinung über den wahrscheinlichen Ausgang des Krieges hatte und der nur das kleinere von zwei Übeln wählte, in der Hoffung sich über Wasser halten zu können, ein berechenbarer pro-deutscher Mann wird, der sich nach Abwägung der Alternativen auf die deutsche Seite schlägt, da er an die deutsche Unbesiegbarkeit glaubt. Warum? Weil es kaum zu seiner These passen würde, wäre sein Hauptübeltäter nicht ganz der schlimmen deutschen Kriegmaschinerie zugetan. Wieder einmal hat Morgenthau jeglichen Anspruch historischer Genauigkeit für etwas geopfert, das man nur einen kurzfristigen “Propagandacoup” nennen kann.

***

5) Anläßlich der Erörterung eines Besuchs bei Talaat am späten Abend des 3. November 1914, bei dem Morgenthau gegen die Behandlung englischer und französischer Staatsangehöriger protestierten wollte, schreibt er:

“Nun gut, Talaat,’ sagte Ich, nachdem mir bewußt geworden war, daß die Zeit für eine unmißverständliche Aussprache gekommen war. Wissen Sie denn nicht, wie dumm Sie handeln? Sie haben mir vor einigen Stunden mitgeteilt, daß Sie Franzosen und Engländer anständig behandeln wollen und haben mich gebeten, diese Nachricht in der amerikanischen und ausländischen Presse zu verbreiten...’

Eine telegraphische Nachricht, die Talaat gerade in jenem Moment erhielt, ruinierte beinahe meine Sache ... Talaats Gesicht verlor seine Herzlichkeit und wurde fast wild… Er drehte sich zu mir um und sagte:

‘Die Engländer haben heute morgen die Dardanellen bombardiert und zwei Türken getötet.’

Und dann fügte er hinzu:

Wir werden für jeden getöteten Moslem drei Christen umbringen.’

... Endlich war der Zug arrangiert worden. Talaat hatte in diesem Gespräch viele Gesichter gezeigt; er war abwechselnd mürrisch, gutgelaunt, wild und höflich... “[66]

Diese Begebenheit, die ungefähr sechs Seiten des Morgenthau-Buches umfaßt, porträtiert Talaat Bey als eine Art exzentrisches Kind, das sich schließlich, von Morgenthaus Aufrichtigkeit betört, dessen Wünschen beugt. Ein Großteil hiervon besteht aus angeblich geführter Konversation, die in wörtlicher Rede wiedergegeben wird. Es wird viel Wesen um Talaat Bey gemacht, der als Telegraphist begann, und “dort in seinen grauen Pyjamas und roten Fez gekleidet saJ3 und emsig auf seiner Telegraphentaste hämmerte”[67] etc. Tatsächlich ist die ganze Quelle für diesen sechs Seiten langen, ununterbrochenen Dialog zwischen Talaat und Morgenthau die folgende Eintragung in seinem “Tagebuch” vom 3. November 1914:

“Schmavonian und Ich gingen zur [Hohen] Pforte und dann zu Talaats Haus, er in Pyjamas, seine Frau hinter der Tür hervorlukend. Bedri erschien und das Telefon funktionierte. Ich legte überzeugend dar, daß ich die Nachricht in der Welt verbreitet hatte, und falls sie sich weigern sollten, würde die Verdammung folgen; er gab zu, daß es der soeben zurückgekehrte deutsche Generalstabschef sei, glaubte, sie seien zu nachsichtig und schritt ein. Es gibt bereits einen Konflikt zwischen Zivilbevölkerung und Militär, Deutschen und Türken; Unruhe in der Luft. Versprach zu versuchen, Ausländer im Innland [bleiben zu lassen], es sei denn, Beirut, Smyrna oder andere ungeschützte Häfen würden bombardiert, dann würden alle als Geiseln genommen werden. Syrischer Gouverneur würde unseren Konsul informieren, daß für jeden getöteten Moslem drei Christen umgebracht würden. Dardanellen waren von 8.30 bis 8.40 Uhr bombardiert und zwei Türken umgebracht worden. Um 7.45 Uhr teilte Talaat uns mit, daß der Zug abfahren könne. Wir kehrten gegen 8.10 Uhr zum Bahnhof zurück, als ausgerufen wurde, daß er losfahren könne. Welche Freude!”[68]

Hier haben wir einen fast klassischen Fall einer Schilderung in Ambassador Morgenthau’s Story, die fast keine Ähnlichkeit mit der Passage des “Tagebuches” aufweist, auf die sie sich stützen müßte. Von der Porträtierung Talaats, “dieses großen Türken”, der auf seinen Tasten hämmert”[69] (während er doch in Wirklichkeit am Telefon spricht), bis zu seiner angeblichen Reaktion auf die Bombardierung der Dardanellen, die den Tod zweier Zivilisten zur Folge hatte, “für jeden getöteten Moslem drei Christen umbringen” zu wollen[70], d.h. von Anfang bis Ende scheint der gesamte Abschnitt nichts anderes als die Abschweifung einer überaktiven Vorstellungskraft zu sein. Wieder lautet die Frage: warum? Auch hier ist es Morgenthaus Absicht, Talaat Bey als seinen türkischen Prototypen bestialisch, roh und verdorben in seiner Handlungsweise erscheinen zu lassen. Nur der schmeichelnde Einfluß des Amerikanischen Botschafters Henry Morgenthau kann dem unberechenbaren, gefährlichen Türken Einhalt gebieten. In Wirklichkeit empfing ihn der Innenminister und de facto Staatsoberhaupt, bei dem Morgenthau akkreditierter Botschafter einer fremden Nation war, in einer Krisenzeit bei sich zu Hause und verbrachte einige Zeit damit, die Frage von Ausländern, die Staatsbürger feindlicher Nationen waren und das Land ohne Ausreisevisa verlassen wollten, durch eine Reihe von Telefongesprächen zu lösen. Dieser Akt wohi-wollender Freundlichkeit wird so verzerrt, daß Talaat als emotional labiler und gereizter Schuljunge erscheint, der nur von dem bestimmt auftretenden Henry Morgenthau unter Kontrolle gehalten werden kann. Während Burton Hendricks Verhalten dadurch entschuldbar wäre, daß er die lakonischen Eintragungen des “Tagebuches” mißverstanden haben könnte, scheint es, daß alle erfundenen Details dieses Buchabschnittes 1918 von Morgenthau selbst hinzugefügt worden sind.

***

6) Es ist oftmals schwierig, eine Verbindung zwischen den Passagen des Buches und den “Tagebucheintragungen”, denen sie offensichtlich entstammen, zu erkennen. Ein solches Beispiel ist das folgende. Morgenthau et al. schreiben:

“Ich sprach wiederum bei Talaat vor. Das erste, was er machte, war seinen Schreibtisch zu öffnen und eine Handvoll gelber Telegramme hervorzuziehen.

Warum geben Sie uns nicht dieses Geld?’, sagte er mit einem Grinsen:.

‘Welches Geld?’, fragte Ich.

‘Hier ist ein Telegram für Sie aus Amerika, das Ihnen eine Menge Geld für die Armenier sendet. Sie sollten es nicht dafür gebrauchen; geben Sie es uns Türken, wir brauchen es genauso dringend wie sie.’

‘Bis jetzt habe Ich noch nicht ein solches Telegramm erhalten,’ erwiderte ich.

‘Oh nein, aber Sie werden,’ antwortete er. ‘Alle Ihre Telegramme erreichen mich Immer zuerst, wissen Sie? Nachdem Ich sie gelesen habe, schicke ich sie Ihnen herüber.”[71]

Talaat Bey liest nicht nur die Post anderer Leute, er rühmt sich auch noch damit. Er führt nicht nur die ‘Vernichtung” der Armenier durch, er ist auch so herzlos, daß er sich tatsächlich getraut, von Morgenthau das Geld zu verlangen, das großzügige Amerikaner für diese in Not geratenen Menschen gesammelt haben. Man muß das Morgenthau “Tagebuch” schon sehr sorgfältig lesen, um die als Quelle für diese Aussage dienende Eintragung zu finden. Sie lautet folgendermaßen:

“Er [Talaat] fragte mich, ob Ich zusätzliches Geld annehmen würde, das mir heute per Telegramm von den Vereinigten Staaten angeboten worden ist; dieses war ein Eingeständnis, daß er mein Telegramm gelesen hatte oder dessen Inhalt kannte.”[72]

Bei der Interpretation dieser in Ambassador Morgenthau’s Story wiedergegebenen Passage trifft man auf viele Probleme:

a) Das Datum der “Tagebucheintragung” für diese Quelle lautet 14. Oktober 1914, also volle sechs Monate bevor die Deportationen der Armenier begannen, und wenigstens zehn Monate vor dem Eintreffen amerikanischer Hilfe, die für die Armenier gedacht war.

b) Aus der “Tagebucheintragung” geht klar hervor, daß Morgenthau das besagte Telegramm schon erhalten hatte, d.h. Morgenthau deutet nicht an, daß Talaat sich auf eine Nachricht bezieht, die er nicht schon gesehen hat.

c) Morgenthau vermutet nur aufgrund der Frage Talaats, daß dieser ein Telegramm mit dem Inhalt “Gelder” gesehen hat oder darüber informiert worden ist; dieses wird Ihm nicht von Talaat selbst mitgeteilt, der sich in dem Buch damit brüstet, alle Telegramme zu erhalten, bevor Morgenthau sie zu Gesicht bekommt.

Es ist offensichtlich, daß Hendrick mit stillschweigender Zustimmung Morgenthaus einfach nur noch eine weitere Unterhaltung zwischen Talaat und Morgenthau erfunden hat mit dem Ziel, den türkischen Führer als durch und durch verabscheuungswürdigen und inhumanen Charakter darzustellen.

***

7) Gelegentlich geht Morgenthau über die “dichterische Freiheit” hinaus und erfindet vermeintliche Gespräche, für die sich weder im “Tagebuch” noch in den “Briefen” irgendeine Grundlage finden läßt. In der vielleicht vernichtendsten Anklage dieser Art schreibt Morgenthau:

“Eines Tages brachte Talaat die wohl ungewöhnlichste Bitte, die ich je gehört hatte, hervor. Die ‘New York Life Insurance Company’ und die ‘Equitable Life of New York’ haben seit Jahren ein beträchtliches Geschäft mit den Armeniern gemacht. Das Ausmaß, In dem diese Leute ihr Leben versicherten, war nur ein weiterer Hinweis auf ihre sparsamen Gewohnheiten.

‘Ich möchte,’ sagte Talaat nun, ‘daß Sie die amerikanischen Lebensversicherungsgesellschaften veranlassen, uns eine vollständige Liste armenischer Versicherungsnehmer zu schicken. Sie sind jetzt praktisch alle tot and haben keine Erben hinterlassen, die das Geld beanspruchen könnten. Jetzt fällt natürlich alles dem Staat anheim. Die Regierung ist nun berechtigter Empfänger. Werden Sie das für mich tun?

Das war wirklich zu viel, und Ich verlor die Geduld. ‘Sie werden eine solche Liste nicht von mir bekommen,’ sagte ich, stand auf und ging.”[73]

Vielleicht mehr als irgendeine andere Begebenheit, die in Ambassador Morgenthau’s Story erzählt wird, ist es diese gefühllose Mißachtung menschlichen Lebens und menschlicher Würde, die im Gedächtnis des Lesers haften bleibt. Denn sicher könnte niemand eine solche Unterhaltung erfunden haben. Es muß so geschehen sein, wie es von Morgenthau erzählt wird. War das aber tatsächlich der Fall? Eine sorgfältige Untersuchung aller von Morgenthau von Beginn der armenischen Deportation im April 1915 bis zum Tag seiner Abreise (1. Februar 1916) geschriebenen Dokumente bringt keinen einzigen Hinweis auf diese angeblich geführte Unterhaltung hervor. In Anbetracht der Tatsache, daß wir über hunderte von Hinweisen in seinem “Tagebuch” während dieser Zeit verfügen, die sich auf Talaat und andere Begebenheiten betreffs Behandlung und Mißhandlung der Armenier beziehen, ist diese Textlücke schwer erklärbar. Außerdem sandte Morgenthau zahlreiche Berichte bezüglich der Armenier an das Department of State, und nicht einer von ihnen gibt einen Hinweis auf diese Diskussion. Und schließlich verfügen wir für die betreffende Zeitspanne über eine vollständige, mehrere hundert Seiten umfassende Serie von “Familienbriefen”, die mit wortgetreuen Hinweisen auf Treffen mit Talaat und Diskussionen über die Behandlung der Armenier gefüllt sind. ‘Ihr Inhalt bezieht sich auf jeden einzelnen Tag der letzten zwölf Monate von Morgenthaus Amtszeit in der Türkei, und doch geben auch sie keinen Hinweis auf Talaats taktloses Gesuch, die türkische Regierung als berechtigten Empfänger von Versicherungspolicen eben der Armenier anzuerkennen, die ihr Leben durch das ihnen zugefügte Leid verloren haben. Aufschlußreicher als dieses Argument ‘in abstentia’ ist die Tatsache, daß dies das einzige vermeintliche Gespräch zwischen Talaat und Morgenthau ist, das in Ambassador Morgenthau’s Story erscheint und für das sich keine Grundlage finden läßt, weder im “Tagebuch” noch in den “Briefen”. Kurzum, es scheint nichts anderes zu sein, als ein Versuch, das ohnehin schon dunkle Image Talaat Beys noch weiter zu trüben.

Untersucht man die Morgenthau-Schriftstücke genauer, bietet sich eine noch unangenehmere Erklärung dafür an, warum Morgenthau dieses Stück Fiktion in seinem Buch aufgenommen hat. Wenn man in den “Tagebucheintragungen” noch vor die Zeit der armenischen Deportationen zurückgeht, z.B. vor den 24. April 1915, sieht man, daß Morgenthau die Angelegenheiten einer der in seinem Buch genannten Gesellschaften mit Talaat Bey diskutiert. Am 3. April 1915 (volle drei Wochen vor Beginn der Deportationen) findet sich folgende Eintragung:

“Habe Talaat beim Handelsminister aufgesucht; habe mit ihm über Kapital der ‘New York Life Insurance Company’ gesprochen.”[74]

Ist es möglich, daß diese zwei Zeilen umfassende Eintragung in Morgenthaus “Tagebuch” als Ausgangspunkt diente, von dem aus Hendrick die oben behandelte vermeintliche Unterhaltung konstruierte? Ebenso wie bei der Erörterung Talaat Beys, in der er Morgenthaus Telegramme liest und vorschlägt, das den Armeniern zugedachte Geld seiner eigenen Regierung zukommen zu lassen, ist es möglich, daß Hendrick (wahrscheinlich mit Morgenthaus stillschweigender Duldung) die gesamte Episode einfach nur erfunden hat? Wieder einmal lautet die Antwort “ja”. Obwohl es einen Sachverhalt gab, bei dem es um in der Türkei eingefrorenes Kapital der ‘New York Life Insurance Company’ ging, hatte dies nichts mit den osmanischen Armeniern zu tun. Im Gegenteil, eine Reihe von Eintragungen in Morgenthaus “Tagebuch” für die Monate März und April 1915 erlauben uns, mit Bestimmtheit zu sagen, daß der Fall ganz genau anders herum lag, als er im Buch dargestellt wird.

Wir können die sich auf die New York Life Insurance Company beziehenden “Tagebucheintragungen” folgendermaßen zusammenfassen:

1) Am 24. März stattete ein Mr. Feri, der Repräsentant der Versicherungsgesellschaft in Konstantinopel, Morgenthau einen Besuch ab und informierte ihn, daß die Osmanische Regierung sich weigerte, ihre Bankkonten freizugeben, da sich die Zentrale ihrer Gesellschaft in Paris, Frankreich, befand (ein Land, mit dem sich das Osmanische Reich damals im Krieg befand);[75]

2) Am 29. März griff Morgenthau die Schwierigkeiten der Gesellschaft in einer Diskussion mit Talaat Bey auf, in der dieser ihn über folgendes informierte: “Was das Kapital der ‘New York Life’ anbetrifft, so ist die Gesellschaft niemals registriert worden, und sie wollen nicht, daß sie ihr Kapital entnehmen, da sie fürchten, daß sie nicht für ihre Verluste hier aufkommen würden;”[76]

3) Wie oben vermerkt, hält Morgenthau am 3. April in seinem “Tagebuch” fest, daß er “Talaat beim Handeisminister besuchte und mit ihm über das Kapital der ‘New York Life Insurance Company’ sprach;”[77]

Soweit also zum Ausmaß der Hinweise auf das Kapital der ‘New York Life Insurance Company’ in den Morgenthau-Schriftstücken. Die Eintragung vom 29. März 1915 macht deutlich, daß, weit entfernt davon, Ansprüche auf die Prämien verstorbener Versicherungsnehmer geltend zu machen, Talaat und die türkische Regierung daran interessiert waren sicherzustellen, daß die Gesellschaft ausreichend Kapital in der Türkei beibehielt, um eventuellen späteren Forderungen an sie aus ihrem Kundenkreis nachkommen zu können.

Einfache Logik sagt uns, daß Morgenthaus Bericht falsch sein muß, da sein “Tagebuch” festhält, daß während seiner Amtszeit in Konstantinopel die ‘New York Life Insurance Co.’ ihren eigenen Repräsentanten in der osmanischen Hauptstadt hatte; d.h. hätte Talaat Bey eine Liste ihrer Kunden gewollt, hätte er sie einfach nur anzufordern brauchen.[78]

Zum wiederholten Mal lautet die zu stellende Frage: Warum erscheint diese Passage in Ambassador Morgenthau’s Story an erster Stelle? Außer dem inzwischen offensichtlich gewordenen Ziel Morgenthaus, den guten Ruf Talaat Beys in jeder erdenklichen Weise und wann immer möglich zu schädigen, mag es einen noch korrupteren Beweggrund für die Aufnahme dieser Passage geben. Ein gründliches Durchgehen der Morgenthau-Schriftstücke ergibt, daß zur gleichen Zeit, als Morgenthaus Buch geschrieben wurde, dieser auch Mitglied des Verwaltungsrats der ‘Equitable Life Assurance Society of New York’ war.[79] Tatsächlich zeigen seine “Tagebucheintragungen” für 1918, daß er am 21. März um 12.00 Uhr einer Versammlung der ‘Equitable Life Assurance Company’ beiwohnte und dann um 14.30 Uhr Burton J. Hendrick traf[80] (wahrscheinlich um an dem Manuskript zu arbeiten), Morgenthau, der auf einer Versammlung am 1. Dezember 1915 in den Rat der Gesellschaft gewählt worden war,[81] war sehr stolz auf diese Anerkennung und schrieb sogar diesbezüglich an seinen Sohn Henry, Jr.: “Ich glaube, meine Wahl als einer der Treuhänder der ‘Equitable Life Assurance Society’ zeigt, daß die Mächtigen der Finanzwelt begriffen haben, daß mein Name und Rat von einigem Wert sein werden.”[82] Es mag auch sein, daß die betreffende Passage nichts weiter als “Reklame” für Lebensversicherungen war. Durch die namentliche Erwähnung der ‘Equitable Life Assurance Society’ und das Lob für die Armenier, die so umsichtig ihr Leben versichern, mag Morgenthau einfach nur kostenlose Werbung für seine Kollegen, die Treuhänder der Gesellschaft, eingestreut haben, die ja bereits 1915 mit gesundem Menschenverstand erkannt hatten, daß — in seinen Worten — “mein Name und Ratschlag von einigem Wert sein werden”. Obwohl diese Vermutung nicht über die Sphäre der Hypothesen hinausgetragen werden sollte, ist eines doch klar: In den Morgenthau-Schriftstücken läßt sich nichts finden, das darauf hinweist, daß sich die vermeintliche Unterhaltung zwischen Talaat Bey und Morgenthau tatsächlich zugetragen hat.

***

8) Doch Morgenthau gibt sich nicht damit zufrieden, erfundene Unterhaltungen zwischen sich und Talaat zu erzählen; gelegentlich fügt Morgenthau auch einfach Begebenheiten zusammen, die sich zu verschiedenen Anlässen ereigneten und vermittelt so einen vollkommen falschen Eindruck. Ein Beispiel dieser Technik betrifft die ernsthafteste Unterhaltung, die Morgenthau jemals mit Talaat über die Behandlung der Armenier geführt hat. Dieses Gespräch, das am 8. August 1915 stattfand, kam auf Initiative Talaats zustande, der Morgenthau die Nachricht übersandte (durch ihren gemeinsamen Freund, den Oberrabbiner Nahoum): daß er mit dem amerikanischen Gesandten unter vier Augen sprechen wolle, d.h. ohne dessen armenischen Begleiter und Übersetzer Schmavonian, da er die “Angelegenheiten der Armenier” diskutieren wollte.[83]

Morgenthaus Version dieses Zusammentreffens in seiner “Geschichte” beginnt folgendermaßen:

“Anfang August... schickte er einen persönlichen Boten zu mir mit der Bitte, ob Ich ihn nicht allein treffen könne - er sagte, daß er selbst für einen Übersetzer sorgen würde. Dies war das erste Mal, daß Talaat zugab, daß seine Behandlung der Armenier mich etwas anging. Das Gespräch fand zwei Tage später statt. Es war so, daß ich, seit ich Talaat das letzte Mal besucht hatte, meinen Bart abrasiert hatte. Sobald ich eintrat, begann der stämmige Minister in seiner gewohnten neckenden Art zu reden.

‘Sie haben sich wieder in einen jungen Mann verwandelt,’ sagte er. ‘Sie sind jetzt so jung, daß ich Sie nicht mehr um Rat fragen kann.’

‘Ich habe meinen Bart abrasiert,’ entgegnete ich, ‘weil er grau geworden ist - grau angesichts Ihrer Behandlung der Armenier.”[84]

Tatsächlich ereignete sich der “Bartzwischenfall” nicht im Laufe des Gesprächs über “Angelegenheiten der Armenier” vom 8. August 1915, sondern ungefähr einen Monat zuvor, nämlich am 3. Juli, dem Tag, an dem Morgenthaus “Tagebuch” folgende Eintragung festhält:

“Talaat macht sich darüber lustig, daß ich meinen Bart abrasiert hatte, und sagte, ich sei wieder sehr jung geworden, und daß er meinen Rat nicht länger in Anspruch nehmen könne... Ich sagte zu ihm, Ich habe ihn abrasiert, da er angesichts der Behandlung der Armenier grau geworden sei.”[85]

Durch die Nebeneinanderstellung des Scherzes der Unterhaltung vom 3. Juli mit dem sehr ernsten Zusammentreffen betreffs der “Angelegenheiten der Armenier”, das einen Monat später stattfand, erweckt Morgenthau den Eindruck, daß Talaat nicht ernsthaft daran dachte, die Armenische Frage mit ihm am 8. August zu besprechen. Wie konnte er auch ernst sein, wenn er ein Gespräch über Leben und Tod mit einem Scherz über Morgenthaus Bart begann?

Erst wenn wir die tatsächliche “Tagebucheintragung” vom 8. August 1915 lesen, wird uns bewußt, wie ernst das Gespräch in Wirklichkeit verlief:

“Ich sprach bei Talaat vor. Er hatte einen Mann besorgt, der für mich übersetzte. Zuerst sprach er Englisch, aber als Talaat selbst bemerkte, daß er sehr langsam war, bat er ihn, es mit Deutsch zu versuchen, was auch besser klappte. Talaat teilte mir mit, daß er am liebsten immer mit mir allein spräche, wenn Ich armenische Angelegenheiten mit ihm besprechen wollte. Dadurch gab er zu, daß er bereit war, armenische Angelegenheiten mit mir zu besprechen. Er erzählte mir, daß ihrer Abneigung gegen die Armenier drei Beweggründe zugrunde lägen:

1) daß sie sich auf Kosten der Türken bereichert hatten;
2) daß sie über sie dominieren und einen unabhängigen Staat gründen wollen;
3) daß sie ihre Feinde offen ermutigt haben, so daß sie zu der unwiderruflichen Entscheidung gekommen sind, ihre Macht zu zerschlagen, bevor der Krieg zu Ende ist.

Ich argumentierte mit ihm in jeder erdenklichen Weise, aber er sagte, daß das keinen Zweck habe; daß sie bereits dreiviertel von ihnen beseitigt hätten, daß es in Bitlis, Van, Erzerum keine mehr gäbe, und daß jetzt, da sie es zu Ende bringen müßten, der Haß sehr intensiv sei. Ich sprach über die wirtschaftlichen Verluste, aber er sagte, daß ihnen das nichts ausmache, daß sie es bereits ausgerechnet hätten und wüßten, daß es für die Banken etc. nicht mehr als fünf Millionen Pfund ausmachen würde. Er sagte, sie wollten die Armenier so behandeln, wie wir die Neger behandelt hätten; Ich glaube, er meinte die Indianer. Ich bat ihn, in einigen wenigen Fällen eine Ausnahme zu machen, dem er auch zustimmte; er versprach auch definitiv, daß die in Konstantinopel lebenden Personen ausreisen dürften. Ich fragte ihn nach der Beseitigung von etwa sechzig Personen, er sagte, das seien Leute, die von Izmid hierher gekommen seien. Es war einfach unmöglich, ihn zu rühren. Er sagte, er würde sich um die Armenier in Zor und anderswo kümmern, aber daß sie sie nicht in Anatolien wollten. Ich sagte ihm dreimal, daß sie einen schwerwiegenden Fehler machten und es bereuen würden. Er antwortete: ‘Wir wissen, daß wir Fehler gemacht haben, aber wir bereuen nie etwas.”[86]

Was Ton und Inhalt betrifft, so war dies eine weitaus ernsthaftere Unterhaltung, als der Bericht in Ambassador Morgenthau’s Story durchblicken läßt. In der “Tagebucheintragung” gibt es keinen Hinweis auf einen Scherz; weit davon entfernt. Eine sorgfältige Untersuchung von Talaats Bemerkungen, wie sie in Morgenthaus “Tagebuch” aufgezeichnet sind, deutet darauf hin, daß sein Vergleich ihres Vorhabens mit den Armeniern mit der Behandlung der Neger durch die Amerikaner, trotz Morgenthaus Hinweis, gut ausgedrückt ist. Denn es handelt sich in der Tat um “Rassentrennung”, auf die er sich hier bezieht; dies wird durch die letzte Aussage, die Talaat in dieser Angelegenheit zugeschrieben wird, deutlich: “Er sagte, er würde sich um die Armenier in Zor und anderswo kümmern, aber daß sie sie nicht in Anatolien wollten.”[87]

Warum stellt Morgenthau Talaat wegen dieser Aussage nicht zur Rede? Weil er zur der Zeit dasselbe schon von anderen gehört hatte, Zenop Bezjian, der ‘Vekil’ (Repräsentant) der armenischen Protestanten des Osmanischen Reiches, eingeschlossen. Einen Monat nach der oben erwähnten Unterhaltung mit Talaat, erhält Morgenthau Besuch von Bezjian, über den er in seinem “Tagebuch” mit den folgenden Worten berichtet:

“Zenop Bezjian, Vekil der armenischen Protestanten, sprach vor. Schmavonian stellte Ihn mir vor; er war sein ehemaliger Klassenkamerad. Er erzählte mir eine Menge über die Bedingungen [im Inland]. Ich war überrascht, von ihm zu hören, daß die Armenier in Zor ziemlich zufrieden seien; daß sie schon mit Geschäften begonnen hätten und sich ihren Lebensunterhalt verdienten; jene waren die ersten, die weggeschickt worden waren und waren offensichtlich dort angekommen, ohne massakriert worden zu sein. Er gab mir eine Liste über die Lage der verschiedenen Lager, und meinte, daß wohl über eine halbe Million verschleppt worden seien. Er drang darauf, daß ihnen vor Einbruch des Winters geholfen werden müsse.”[88]

Ungeachtet aller Kommentare in Ambassador Morgenthau’s Story, war Morgenthau im September 1915 noch immer nicht zu der festen Überzeugung gelangt, daß die Armenier einer möglichen “Auslöschung” durch die Führung der Jungen Türken ausgesetzt waren.

***

9) Außer der Erfindung von Unterhaltungen nehmen Morgenthau und Hendrick auch manchmal Gerüchte ohne jede Grundlage auf, setzen sie in Anführungszeichen und legen sie ebenfalls Talaat in den Mund. Ein solches Beispiel ist die folgende Passage:

“Talaats Einstellung den Armeniern gegenüber drückte sich in überheblicher Prahlerei seinen Freunden gegenüber aus: Was die Lösung des Armenischen Problems angeht, so habe Ich in drei Monaten mehr erreicht als Abdul Hamid in dreißig Jahren.”[89]

In Anbetracht der gewalttätigen Maßnahmen, mit denen Sultan Abdulhamid II auf die armenische Erhebung von 1895-96 antwortete, läßt diese Talaat zugeschriebene Großtuerei es dem Leser kalt den Rücken hinunterlaufen. Denn was Talaat implizit meint, ist, daß er in drei Monaten mehr Armenier umgebracht hat als Abdulhamid in dreißig Jahren. Wieder einmal brüstet sich der Kriminelle öffentlich mit seiner Tat. Die einzige zu stellende Frage lautet, wer die Freunde waren, denen gegenüber sich Talaat so anvertraute, und welcher von ihnen seine Prahlerei an Morgenthau weitergab.

Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 18. Juli 1915 gibt uns die Antwort hierauf; er schreibt:

“Gates erzählte mir, Talaat habe gesagt, daß er, was die Vernichtung der Armenier betrifft, in drei Monaten mehr erreicht habe als Abdul Hamid in dreiunddreißig Jahren.”[90]

Die letzte Person, die man unter den ‘Freunden’ Talaat Beys aufgelistet zu finden erwarten würde, ist Caleb Gates, der ehemalige amerikanische Missionar, der als Direktor des Robert College während Morgenthaus Amtszeit in Konstantinopel tätig war. Weit entfernt davon, ‘Freunde’ zu sein, waren sie, wie aus Gates eigenem Buch Not To Me Only deutlich hervorgeht, kaum miteinander bekannt. Es ist nicht erstaunlich, daß Gates es vorzieht, das Gerücht, das er Morgenthau gegenüber erwähnte, nicht in seinen eigenen Schriftstücken zu wiederholen oder als Faktum festzuhalten.[91] Morgenthau selbst litt nicht unter solchen Hemmungen. Falls es der allgemeinen Absicht diente, Talaat in einem negativen Licht erscheinen zu lassen, war die Passage es wert, in sein Buch aufgenommen zu werden. Sogar Gerüchte, sofern mit Anführungszeichen versehen und Talaat Bey in den Mund gelegt, fanden ihren Platz in Ambassador Morgenthau’s Story. Verständlicherweise fand dieses von Gates angeregte Gerücht nicht seinen Weg in Morgenthaus wöchentlichen “Brief’ vom 22. Juli 1915. Denn Morgenthaus Eindruck von Talaat im Jahr 1915 war ein ganz anderer als im Jahr 1918, als das Buch geschrieben wurde.

***

10) Bei der Beschreibung eines zufälligen Treffens mit dem Deutschen Botschafter Wangenheim, das am 15. Oktober 1915 stattfand, hält Morgenthau fest:

“Einige Tage nach seiner [Wangenheims] Rückkehr, traf ich ihn, als er auf dem Weg zu Haskeuy war. Er sagte, er wolle zur Amerikanischen Botschaft gehen, und zusammen kehrten wir dorthin zurück. Erst kürzlich war ich von Talaat in Kenntnis gesetzt worden, daß er alle noch in der Türkei verweilenden Armenier zu deportieren beabsichtigte, und dieses hatte mich dazu veranlaßt, ein letztes Gesuch an den einzigen Mann in Konstantinopel zu richten, der die Macht hatte, diese schrecklichen Geschehnisse zu beenden.”[92]

Eine genaue Untersuchung von Morgenthaus “Tagebuch” und “Briefen” ergibt, daß Morgenthau, im Gegensatz zu den Behauptungen dieser Passage, Talaat Bey während der ersten Oktoberhälfte überhaupt nicht gesehen hatte (und ihm war auch nichts derartiges während seiner vier vorhergehenden Zusammentreffen vom 6., 13., 20. und 30. September 1915 mitgeteilt worden).[93] Was er gehört hatte, war Klatsch, der nicht, wie er vorgibt, von Talaat Bey sondern von seinen beiden armenischen Mitarbeitern Schmavonian und Andonian weitergegeben worden war. Seine “Tagebucheintragung” vom 7. Oktober 1915 beinhaltet folgende Bemerkungen:

“Heute erhielt Schmavonian zwei sich absurder weise widersprechende Erklärungen: Eine von einem armenischen Deputierten, der behauptete, Talaat Bey habe ihm gegenüber erklärt, daß nichts weiter gegen die Armenier unternommen werden würde, daß sie jetzt die Frage ihrer griechischen Staatsbürger angehen wollten; ein anderer Mann teilte ihm jedoch mit, daß sie in Erwägung zögen, die Sache zu Ende zu bringen. Andonian erstattete mir über das gestrige Gespräch des armenischen Patriarchen mit Talaat Bericht. Talaats Erklärungen dem Patriarchen gegenüber waren sehr beunruhigend. Er sagte, daß alle von ihnen gegen die Armenier getroffenen Maßnahmen vollkommen gerechtfertigt seien; drückte starke Ressentiments den Armeniern gegenüber aus, da sie versucht hätten, eine europäische Intervention zu erreichen, um eine ordnungsgemäße Regierung zu errichten und Reformen in Anatollen durchzuführen und sagte, sie hätten nur auf eine solche Gelegenheit gewartet, um die Armenier zu bestrafen... Als der Patriarch antwortete, daß sie die Verantwortlichen bestrafen sollten und nicht Frauen und Kinder, entgegnete er, diese Dinge seien unvermeintlich!”[94]

Mit anderen Worten, Morgenthaus Aussage in seinem Buch bezüglich seines Zusammentreffens mit Wangenheim vom 15. Oktober 1915 hätte eher lauten müssen: “Ich bin unlängst von Schmavonian davon in Kenntnis gesetzt worden, daß ihm ein nicht näher identifizierter Mann mitgeteilt habe, die Türken überlegten, die Angelegenheit zu Ende zu bringen und die restlichen Armenier zu deportieren” als: “Talaat teilte mir kürzlich mit, daß er alle in der Türkei verbleibenden Armenier zu deportieren gedenke.” Wieder einmal greift Morgenthau ihm zugetragene Gerüchte auf, diesmal von seinem armenischen Berater/Übersetzer stammend, der als Quelle einen nicht näher identifizierten Mann angibt, und schreibt sie dann Talaat zu.

***

11) In Anbetracht der Konsistenz, mit der Morgenthau falsche, modifizierte oder einfach erfundene Zitate Talaat zuschreibt, erscheint es nur passend, daß die Beschreibung seines letzten Zusammentreffens mit dem türkischen Führer vor seiner Abreise aus Istanbul ebenfalls in erster Linie aufgrund ihres Mangels an Wahrheit bemerkenswert ist. Er beginnt seine Ausführungen mit:

“Ich führte mein Abschiedsgespräch mit Enver und Talaat am 13. Januar.”[95]

Es gelingt ihm sogar, in diesen kurzen Satz zwei Unwahrheiten einzuflechten: a) Er führte überhaupt kein Abschiedsgespräch mit Talaat und Enver, sondern traf jeden der beiden Männer zu verschiedenen Zeitpunkten; und b) seine getrennten Zusammentreffen mit Talaat und Enver fanden in Wirklichkeit am 29. Januar 1916 statt.[96]

Angesichts dieses wenig vielversprechenden Anfangs mag man sich fragen, wie Morgenthau seinen Abschied von den türkischen Führern Talaat Bey und Enver Pasha, mit denen er laut seines “Tagebuches“ und seiner “Briefe” freundschaftliche gesellschaftliche und berufliche Beziehungen unterhielt, niederschreiben wird. Er beginnt mit folgendem Satz:

“Aber wir hoffen, daß Sie bald zurückkommen werden,’ fügte er [Talaat] in der höflichen (und unaufrichtigen) Art des Orientalen hinzu.”[97]

Es scheint zunächst typisch für Morgenthaus und Hendricks Schmähungen zu sein, den Leser darauf hinzuweisen, daß Talaat noch nicht einmal beim Abschiednehmen aufrichtig ist. Eine Untersuchung anderer erhalten gebliebener Dokumente mit Bezug auf das Buch ergeben jedoch, daß bei dieser Verleumdung der Autor kein geringerer als der Honorable Robert Lansing, U.S. Secretary of State, gewesen ist. Wie schon vorher festgestellt worden war, schickte Morgenthau Entwürfe jedes Kapitels seiner “Geschichte” an Lansing, der persönlich zu ihnen Stellung nahm. Morgenthau schrieb an Lansing und bat ihn, “die Mühen, die der Secretary of State Robert Lansing beim Lesen des Manuskripts auf sich genommen hat und seine vielen wertvollen und weisen Vorschläge” anerkennen zu dürfen.[98] Lansing wies diese Ehre zurück mit der Begründung:

“Ich bin sicher, Sie stimmen mit mir überein, daß es im Großen und Ganzen ratsamer ist, meinen Namen in Verbindung mit dem Buch nicht zu nennen.”[99] Morgenthau stimmte ihm zu und half so dabei, eine bis heute währende, bedeutungsvolle Unterlassungssünde zu begehen. Denn Lansings Bemerkungen wurden von Morgenthau ernst genommen, und das vorliegende Beispiel veranschaulicht ihre Natur. In dem Morgenthau-Hendrick Entwurf der letzten Kapitel von Ambassador Morgenthau’s Story lautet die oben zitierte Passage nämlich folgendermaßen:

“Aber wir hoffen, daß Sie bald zurückkehren werden,’ fügte er [Talaat] hinzu. ‘Es ist fast so, als ob Sie einer von uns wären.”[100]

Lansings Beitrag bestand darin, die Worte “mit der üblichen unaufrichtigen orientalischen Höflichkeit”[101] mit Bleistift einzufügen, ein Verbesserungsvorschlag, den Morgenthau Hendrick sogleich anwies aufzunehmen.[102] Lansings Zusatz war nicht nur vollkommen unpassend, sondern Morgenthaus “Tagebucheintragung” bezüglich seines letzten Treffens mit Talaat Bey veranschaulicht auch die tatsächliche Natur der Beziehung zwischen den beiden Männern:

“Ich sprach auch bei Talaat vor und forderte sein Versprechen, daß er sich in keine amerikanischen oder andere der mir obliegenden Interessen oder denen der Juden einmischen würde. Er versprach alles, außer daß er sich das Recht vorbehielt, mit den Briten und Franzosen etwas Spaß zu haben. Er sagte, sein Versprechen gälte nur, wenn ich zurückkäme... Ich fragte Talaat, ob Ich beim Sultan vorsprechen und mich verabschieden solle, und er sagte, daß Ich das unbedingt tun solle und er es arrangieren würde.”[103]

Jedermann, der diese Passage liest, versteht, daß, im Gegenteil zu dem, was Lansing andeutet, den Amerikanischen Botschafter und den osmanischen Innenminister eine offene und ehrliche Freundschaft verband. Warum aber erlaubt Morgenthau dann, daß zwei Jahre nach den Ereignissen so viel verleumderisches Material über Talaat Bey aufgenommen wurde? Die Antwort ist einfach und bezieht sich auf die Tatsache, daß Morgenthau ein Stück Kriegspropaganda mit dem erklärten Ziel, Unterstützung für Präsident Wilsons Kriegsanstrengungen zu mobilisieren, schrieb. Die enge Verbindung, in der er während seines ganzen Aufenthalts in Konstantinopel zu der Führung der Jungen Türken stand, spielt er absichtlich herunter und opfert die Wahrheit dem höheren Ziel, anti-türkische Gefühle zu erwecken, die sich dann in Pro-Kriegs Gefühle verwandeln würden.

Der letzte Abschnitt der Passage über Morgenthaus Abschied von Talaat legt dar, wie weit er bereit ist, es mit der Wahrheit nicht allzu genau zu nehmen:

“Und nun sprach Ich zum letzten Mal über das Thema, das mir seit vielen Monaten so schwer auf der Seele gelegen hatte. Ich fürchtete, weiterer Einspruch würde nutzlos sein, aber ich entschloß mich dennoch, es zu wagen.

‘Und was ist mit den Armeniern?’

Talaats Herzlichkeit verschwand sofort. Sein Gesicht verhärtete sich, und das Feuer der Brutalität glomm wieder in seinen Augen auf.

Was hat es für einen Zweck, über sie zu sprechen?’ sagte er, indem er eine Handbewegung machte. Wir sind fertig mit ihnen. Es ist alles vorbei.’

Dar war der Abschied von Talaat. Dieses ‘Es ist alles vorbei’ waren seine letzten Worte an mich.”[104]

Wie wir gesehen haben, enthält Morgenthaus “Tagebuch” nichts, das auch nur im entferntesten diesen abschließenden Worten gleicht. Über die Art und Weise, in der Morgenthau und Hendrick Talaat porträtieren, kann man nur eines sagen: sie war konsistent. Sie sprang von Verleumdung zu Verleumdung, and als sie am Ende etwas zu zögern drohte, war Secretary of State Robert Lansing gleich zur Stelle, das zuvor erreichte Niveau der Schmähungen wieder aufzunehmen.


[47]Durch die gesamte Morgenthau-Geschichte hindurch wird Talaat Bey in jeder erdenklichen Weise verleumdet. Siehe: AMS - Seiten 20-24, 34-40, 50-51, 58, 78, 99-100, 123-127, 137-145, 154, 172, 194-95, 198-99, 253-55, 286, 326-342 und 390-392. Man kann sich kaum ein schrecklicheres Porträt vorstellen, oder eines, das weniger mit dem übereinstimmt, was allgemein über Talaats Person bekannt ist. In der gesamten Studie habe ich die damalige englische Schreibweise benutzt, so wie sie in Botschafter Morgenthaus Geschichte vorkommt, und nicht moderne türkische Orthographie. Daher heißt es ‘Talaat’ und nicht ‘Talât’ und ‘Abdul Hamid’ anstelle von ‘Abdulhamid’.
[48] AMS: S. 20.
[49] LC: PHM - Spulennr. 5: “Tagebucheintragung” vom 10. Juli 1914. Siehe ebenfalls: FDR: HMS - Boxnr. 5: Morgenthaus “Familienbrief” vom 15. Juli 1914, S. 10-li.
[50] LC: PHM - Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragungen” während seines gesamten Aufenthalts in der Türkei sind voll von Notizen, die von seinen engen gesellschaftlichen Verbindungen zu Talaat Bey und dem Großrabbiner Haim Nahoum handeln. Nur zwei Beispiele reichen aus, um diese Beziehung zu veranschaulichen: 1) Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 16. Februar 1914 beinhaltet folgende Notiz: “Wir aßen bei Rabbi Nahoum zu Abend. May, Helen, Ruth, Schmavonian, Talaat und ich unterhielten uns bis 11 Uhr; und 2) nur drei Tage später, am 19. Februar 1914, schildert das “Tagebuch” folgendes: “Talaat, Nahoum und Schmavonian waren hier zum Abendessen; wir hatten ein sehr intensives Gespräch über türkische Verhältnisse.”
[51] AMS: S. 50.
[52] LC: PHM - Spulennr. 5: Eintragungen für die Zeit vom 1. Januar 1914 bis zum 2. Juli 1914.
[53] LC: PHM - Spulennr, 5: Siehe Eintragungen für die Zeit zwischen gegen dem 4. Mai 1914 und 2. Juli 1914.
[54] LC: PHM - Spulennr. 5: Eintragung vom 2. Juli 1914.
[55] FDR: HMS - Boxnr. 5: Morgenthaus “Familienbrief” vom 15. Juli 1914, S. 3-4.
[56] AMS: S. 50.
[57] AMS: S. 51.
[58] AMS: S. 116. Als der “zentrale Punkt türkischer Politik” bezeichnet.
[59] AMS: S. 133. Ein Bedri Bey, dem Polizeipräfekten der Hauptstadt, zugeschriebenes Gefühl.
[60] AMS: S. 174. Als Ziel Djemal Pashas erklärt.
[61] AMS: S. 283-84. Als Ziel der Jungen Türken ausgegeben.
[62] AMS: S. 290. Als Grundprinzip, um alle Nicht-Türken umzubringen, angegeben.
[63] AMS: S. 292. Als türkische Agenda während des Krieges angeführt.
[65] LC: PHM - Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 29. Oktober 1914.
[66] AMS S. 141-146.
[67] AMS S. 144.
[68] LC: PHM - Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 3. November 1914.
[69] AMS S. 144.
[70] AMS S. 144.
[71] AMS S. 332.
[72] LC: PHM — Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 10. Oktober 1914.
[73] AMS S. 339.
[74] LC: PHM - Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 3. April 1915.
[75] LC: PHM - Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 24. März 1915.
[76] LC: PHM - Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 29. März 1915.
[77] LC: PHM - Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom. 3. April 1915.
[78] LC: PHM - Spulcnnr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 5. Oktober 1915 hält bezüglich der Rechtsstellung der New York Life Insurance Company in Istanbul folgendes fest: “Repräsentanten der New York Life Insurance Company und ihre Anwälte haben um Hilfe gebeten, um herauszufinden, weiche Schritte zu unternehmen sind, um sich gemäß des neuen Gesetzes zu registrieren.” Da sich Repräsentanten in Istanbul befanden, wäre es offensichtlich einfach für die Regierung gewesen, jegliche von ihr benötigte Information über Geschäftsbeziehungen der Gesellschaft zu erhalten. Es ist unwahrscheinlich, daß Talaat Bey Morgenthau um irgendeine Information über diese Gesellschaft gebeten haben soll.
[79] In der Tat stand Morgenthau in einer langjährigen Beziehung zu ‘Equitable’, die mindestens bis ins Jahr 1905 zurückreicht, als er in der Funktion eines Mitglieds des “Versicherungsnehmer-Ausschußes” erfolgreich dafür kämpfte, die Gesellschaft vor Edward H. Harriman zu schützen. Zu einem ausführlichen Kommentar seiner Rolle bei ‘Equitable’ vgl. Burton J. Hendrick, “Ambassador Morgenthau’s Story -Introductory Article”, The World’s Work, April 1918, S. 620-37. Vgl. LC:PHM - Spulennr. 7 zu einem Brief vorn 2. Dezember 1915 (als Morgenthau noch Botschafter in der Türkei war), in dem er zum Direktor der ‘Equitable Life Assurance Society of the United States’ ernannt wird.
[80] LC: PHM - Spulennr. 6: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 21. März 1918.
[81] LC: PHM - Spulennr. 7: Brief S.S. McCurdys von der ‘Equitable Life’ an Morgenthau vom 2. Dezember 1915.
[82] FDR: HMJ/Gaer - Boxnrn. 1-2: In einem Brief vom 29. Juni 1915, der an “Meine lieben Kinder” gerichtet ist, erörtert Morgenthau seine Wahl zum Treuhänder der ‘Equitable Life Assurance Society’ und meint dabei, er sei anfänglich als Treuhänder gewählt worden (vor dem 29. Juni 1915) und danach, am 1. Dezember 1915, in die Position des Direktors der Gesellschaft befördert worden.
[83] Obwohl Morgenthau den Namen des Boten in seinem Buch nicht nennt, macht seine “Tagebucheintragung” vom 5. August 1915 deutlich, daß - wie es oft der Fall war - Talaat mit Morgenthau durch ihren gemeinsamen Freund, den Großrabbiner der jüdischen Gemeinschaft, Haim Nahoum, in Kontakt trat: “Als ich zurückkehrte, fand ich Mrs. Nahourn vor, die sagte, ihr Mann habe eine Nachricht von Talaat für mich. Ich schickte nach ihm, und sie blieben zum Abendessen. Nahoum teilte mir mit, daß Talaat mit mir ohne Schrnavonian zu sprechen wünsche, da er über die Angelegenheiten der Armenier reden wolle.” (LC: PHM - Spulennr. 5) Es mag sein, daß Morgenthau Nahoum nicht als Boten nennt, da er, nachdem er Talaat Bey systematisch als verabscheuungswürdigen Charakter beschrieben hatte, keine Antwort auf Fragen seiner Glaubensgenossen geben wollte, warum der Führer der jüdischen Gemeinschaft des Osmanischen Reiches in so enger Beziehung zum Teufel in Person stand.
[84] AMS: S. 336.
[85] LC: PHM - Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 3. Juli 1915.
[86] LC: PHM - Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 8. August 1915.
[87] LC: PHM - Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 8. August 1915.
[88] LC: PHM - Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 26. September 1915. Vgl. ebenfalls FDR: HMS - Boxnr. 8: In seinem “Familienbrief” vom 16. Oktober 1915 (S. 5-6) fügt Morgenthau seinem Kommentar, daß Bezjian ihm “eine Menge über Bedingungen...” erzählt habe, die Worte “im Innland” hinzu, wodurch der Gegenstand ihrer Diskussion deutlich wird.
[89] AMS: S. 342.
[90] LC: PHM - Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 18. July 1915.
[91] Caleb Gates, Not To Me Only. Princeton (Princeton University Press), 1940. Bezüglich Gates unschöner Porträtierung Talaats, siehe S. 188ff. Trotz zahlreicher Anekdoten über seine Beziehung zu Talaat während der Kriegsjahre, gibt Gates jedoch keinen Hinweis auf den ‘Klatsch’, den er an Morgenthau weitergab, und den letzterer sich entschloß, der Welt als Faktum zu präsentieren.
[92] AMS: S. 380.
[93] LC: PHM - Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragungen” für September 1915. Vgl. ebenfalls: FDR: HMS - Boxnr. 8: Morgenthaus “Familienbriefe” vom 13. September 1915 und 1., 10., 16. und 25. Oktober 1915.
[94] LC: PHM - Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 7. Oktober 1915.
[95] LC: PHM - Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 7. Oktober 1915.
[96] LC: PHM - Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 29. Januar 1916.
[98] FDR: HMS , Boxnr. 12: Morgenthau-Brief an Lansing vom 22. September 1918..
[99] FDR: HMS - Boxnr. 12: Lansings Brief an Morgenthau vom 2. Oktober 1918.
[100] FDR: HMS - Spulennr. 12: Seite 6 des ‘Neunten Artikels’, der an den Brief Lansings an Morgenthau vom 2. Oktober 1918 angehängt wurde.
[101] FDR: HMS - Boxnr. 12: Ibid.
[102] FDR: HMS - Boxnr. 12: Der Brief Morgenthaus an Hendrick vom 3. Oktober 1918 beinhaltet folgende Passage: “Sie finden die eingefügten Vorschläge des Secretary of State. ich habe die Seiten gekennzeichnet, auf denen sie in dem maschinen geschriebenen Artikel, den wir ihm geschickt haben, erscheinen. Ich glaube, die meisten Vorschläge sind gut... Hinsichtlich des dritten Vorschlags glaube ich, daß es gut wäre, am Ende der 13. Zeile nach den Worten ‘FÜGTE HINZU’ die Worte ‘MIT DER ÜBLICHEN UNAUFRICHTIGEN ORIENTALISCHEN HÖFLICHKEIT!’ einzufügen.”
[103] LC: PHM - Spulennr. 5: Morgenthaus “Tagebucheintragung” vom 29. Januar 1916.
[104] AMS: S. 392.

 ----------------------
* Author -
- Die Hintergrundsgeschichte zu Botschafter Morgenthaus Memoiren
    Print    
   «  Back

 
 
ERAREN - Institute for Armenian Research

This site is best viewed at 1024 x 768 pixel resolution.